Seit Mitte März sind virtuelle Messen und Events die einzige Alternative zu onsite Veranstaltungen. Doch so langsam gibt es erste Bemühungen für einen Re-Start der gesamten Branche. Was für die einen wie ein Licht am Ende des Tunnels aussieht, ist für die anderen nur ein trügerischer Schein. Denn die zahlreichen Verbote und Vorschriften, die für einen verantwortungsvollen Re-Start von Messen notwendig sind, machen gerade deren Erlebnischarakter zunichte.

Es ist ein bisschen wie beim Bummeln durch die eigene Stadt. Schon vor Corona war die nächste Bestellung vom heimischen Sofa aus nur einen Klick entfernt. Und wie bei Veranstaltungen war Shoppen für viele Wochen nur online möglich. Jetzt geht wieder beides – doch zu welchem Preis? Hand auf’s Herz: Waren Sie schon mal mit Maske in der Innenstadt bummeln? Macht das Spaß? Weder mir noch meinen Bekannten macht solch ein Erlebnis Freude und wir versuchen, so schnell wie möglich aus den Läden herauszukommen oder gar nur solche zu betreten, die unbedingt sein müssen. Ganz ähnlich wird das Kundenerlebnis auf Messen aussehen.

Shoppen in Corona Zeiten

Shoppen in Corona Zeiten

Sehen wir uns dieses einmal genauer an:

Die FAMAB Regeln für den Messestandbau mit Corona

Spoiler vorab: Sie erhöhen die Kosten der onsite Messeteilnahme zu Lasten der Aussteller und lassen virtuelle Messen nochmals attraktiver werden.

Schauen wir uns einige Regeln für den zukünftigen Messebau detaillierter an:

Änderungen im Ablauf

  • Verbesserung der Abläufe, detaillierte Terminplanung.
    Die Gewerke sollten nacheinander arbeiten. Jedes Gewerk erhält sein eigenes Zeitfenster (gestaffelte Arbeitsweise).

    Ein sehr sinnvoller und vernünftiger Gedanke, den wir mit Blick auf Schutzmaßnahmen gegenüber allen Beteiligten sehr teilen. Doch haben wir arge Zweifel, dass dies in der Praxis gelingen wird. Wie wir zu der Einschätzung kommen? Jahrelange Praxis auf vielen Messegeländen und jahrelange Gespräche mit Messebetreibern über deren Arbeitsabläufe und deren Verbesserungspotenzial. Als Spezialist für IT-Individuallösungen in der Messe- und Eventwelt haben wir immer wieder die Macht der alten Strukturen, unzähliger E-Mails und noch größerer Verteiler sowie zahlloser Exceltabellen erfahren dürfen. Daher zweifeln wir – und unsere Kunden – am sofortigen und durchstrukturierten Re-Start mit aufeinander abgestimmten Terminen für die vielen Gewerke.

Projektplanung und Gewerke auf Messen aufeinander abstimmen ist komplex

Projektplanung und Gewerke auf Messen aufeinander abstimmen ist komplex

Änderungen bei der Raumplanung und der Einlasskontrolle

  • Mehr freien Raum einplanen, um Abstandsregeln gewährleisten zu können. Die Anzahl der Besucher auf dem Stand muss mit der Aufplanung beim Veranstalter eingereicht werden.

    Das bedeutet konkret nichts anderes als höhere Messestand-Kosten pro Besucher bzw. pro Lead. Oder würden die Veranstalter dem Aussteller die notwendige Zusatzfläche auf eigene Kosten zur Verfügung stellen? Vermutlich nicht.

    Bedeutet dieser Absatz zudem, dass die Besucherzahl schon dadurch limitiert wird? Vermutlich ja.

  • Einlasskontrolle und Registrierung am Messestand erfolgt nur, wenn vom Veranstalter gefordert (Bundesland abhängig). Einplanen von Terminals oder Theke zur Registrierung Standbesuchern bei Betreten und Verlassen des Standes, um eine Nachverfolgung von Kontaktpersonen der Kategorie I im Sinne der Vorgaben des R.K.I., gewährleisten zu können.

    Auch an dieser Stelle entstehen Zusatzkosten für den Aussteller: Durch die Terminals und durch das systematische Erfassen der Besucher. Oder würden die Terminals und die entsprechende Software für die Besucherregistrierung vom Messeveranstalter gestellt werden?

Social-Distancing führt zu striktem Einlassmanagement bei Messen

Social-Distancing führt zu striktem Einlassmanagement bei Messen

Die neuen Abstandsregeln

  • Abstandsregeln: Raumteiler planen, Auf physische Kontaktpunkte wie Theken, Tische und Türklinken möglichst vermeiden. Glatte wischbare Oberflächen verwenden. Bei Empfangstheken und Exponat-Präsentationen mit Mindestabstand zu Hallengängen berücksichtigen. Hygiene-Schutzwände einbauen, wenn der Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten werden kann.

    Auch hier entstehen zusätzliche Kosten für den Aussteller durch die aufwändigere Planung, das Material und dessen Handling. Zudem schränken die Raumteiler das Networking ein – einem zentralen Element einer Messeteilnahme.

  • Zweigeschossige Stände sollen breite Treppen oder Treppen mit Einbahnverkehr vorsehen.

    Wie schon in den Vorgaben zuvor erhöhen solche Maßnahmen und Vorschriften die Standbaukosten enorm.

so könnten Trennwände auf Messen aussehen

so könnten Trennwände auf Messen aussehen

Zusätzliche Hygienekonzepte

  • Cateringbereich und Küchen sind nach geltenden Infektionsschutzverordnungen der Gastronomie der einzelnen Bundesländer zu planen. Hygienekonzept ist vom Standbetreiber vorzulegen.

    Sie ahnen es schon, wie unser Kommentar dazu aussieht: Enorme Zusatzaufwände verbergen sich auch hinter dieser Maßgabe.

FAMAB-Regeln und deren Folgen zusammengefasst:

All diese Regelungen machen einen Re-Start von Messen und Events nicht einfacher sondern ganz im Gegenteil. Sie führen bei jedem beteiligten Messe-Aussteller zu einem erhöhten Planungsaufwand und zu deutlich mehr Kosten auf seiner Seite. Wie soll das alles realistisch geplant und umgesetzt werden?

Ausblick auf die Bedeutung von virtuellen und hybriden Events

So wichtig ein Re-Start der gesamten Veranstaltungsbranche ist, unter den oben gezeichneten Voraussetzungen und mit Einhaltung sämtlicher Vorschriften werden zumindest aus Ausstellersicht reale Messen deutlich unattraktiver. Sie bedeuten enorme Mehrkosten, zeitlich gestiegenen Planungsaufwand und das bei weniger Besuchern als zuvor. Die Kosten-Nutzen-Relation realer Messen wird sich daher zugunsten virtueller und hybrider Messeerlebnisse verschieben.

virtuelle Messen | Beispiel: Bühler Virtual-World

virtuelle Messen | Beispiel: Bühler Virtual-World

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