Im vorangegangenen Blogartikel über die zusätzlichen Belastungen und Kosten, die auf Aussteller zukommen, haben wir das neue Live-Erlebnis auf Messen und Events bereits angeschnitten. Kurz gesagt: Es wird deutlich unattraktiver. Dabei haben doch wir allesamt – von der Kreativagentur über den Aussteller bis hin zum Veranstalter – stets auf die Bedeutung des Besucher-Erlebnisses hingewiesen. Sogar während des Corona-Peaks im März, April und Mai haben viele Branchenvertreter auf die Qualität des echten Austausches unter Menschen, der echten Begegnung und des echten Live-Erlebnisses verwiesen. Nichts könne ein physisches Event ersetzen – keine noch so gut gemachte virtuelle Show. Wirklich nichts? Mit Blick auf die kommenden Abstands- und Hygienevorschriften für den Re-Start von Messen und Events haben wir da arge Zweifel.

Gern erinnern wir an dieser Stelle noch einmal an das Unbehagen, dass sich bei vielen Menschen, bewaffnet mit Maske und empfangen von Desinfektionsmitteln am Ladeneingang, bereits beim normalen Einkaufsbummel durch die Innenstadt breit macht. Uns macht Bummeln so keinen Spaß. Doch schauen wir genauer auf das zu erwartende Messe-Erlebnis in den kommenden Monaten.

Die Schutzleitlinien im Detail

Die Handlungsempfehlung des Research Institute for Exhibition and Live-Communication (R.I.F.E.L.) vom 28. April 2020 lassen erahnen, wie das aussehen könnte.

In den Schutzleitlinien finden sich für Teilnehmer unter anderem folgende Vorschriften:

👉  Bei Bestuhlungsplänen sind entsprechend dimensionierte Sitz- und Durchgangsbreiten einzuplanen.

Damit entfällt das auf realen Veranstaltungen so enorm wichtige und von allen Akteuren stets als essentiell betonte Networking in den Vortragsräumen. Mal schnell mit dem Nachbarn über das vorgestellte Thema, eine Lösung oder dessen Angebot sprechen? Fehlanzeige.

Abstand statt Networking und Live-Erlebnis auf Messen

Abstand statt Networking und Live-Erlebnis auf Messen

Wir müssen uns trennen

👉  Zugang, Einlass, Akkreditierung, Garderobe: Es sind geeignete Methoden zur Zugangssteuerung durch Ordnungspersonal und/oder Einrichtungen (z.B. Bodenmarkierungen, Raumtrenner, Personenvereinzelungssysteme, Ampelsysteme) vorzuhalten, um den Mindestabstand von 1,5m zu jeder Zeit zu gewährleisten.

Auch hier, keine Spur von Networking. Ganz im Gegensatz, denn die Ausbreitung des Virus soll gezielt verhindert werden. Mindestabstand von 1,5m zu jeder Zeit macht jegliches zufälliges Networking rund um den Veranstaltungsbesuch zunichte.

👉  An sämtlichen Zu- und Ausgängen des Veranstaltungsortes sind Spender mit Desinfektionsmittel gut sichtbar zu installieren.

Neben den Raumtrennern und den Markierungen warten nun auch “einladende” Desinfektionsspender auf die Messebesucher. Verstehen Sie uns bitte nicht falsch. Diese Trenner und Spender sind enorm wichtig für die Einhaltung der Hygiene. Doch welches “Erlebnis” machen sie denn noch möglich? Welchen Eindruck hinterlässt ein so ausgestattete Messehalle, Messestand oder Eventlocation? Wohl eher den eines Krankenhauses statt den eines Ortes der Live-Kommunikation.

Der Veranstalter ist maskiert

👉  Alle Mitwirkenden und involvierten Mitarbeiter einer Veranstaltung werden vorab durch den jeweiligen Arbeitgeber über die Notwendigkeit des persönlichen Mitführens und etwaigen Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes informiert. Dieser ist innerhalb des Veranstaltungsortes jederzeit bei sich zu führen und bei drohender Unterschreitung der Mindestabstände zu tragen.

Das Krankenhaus-Feeling geht weiter und während die Besucher noch versuchen, mit den Menschen hinter den Masken zu kommunizieren beziehungsweise deren Aussagen dank des Stofffilters dennoch zu verstehen, fragen wir uns erneut, wo da das Erlebnis bleibt.

Mitarbeiter müssen auf Events und Messen Masken tragen

Mitarbeiter müssen auf Events und Messen Masken tragen

Warten dauert noch länger

👉  Vortrags- und Cateringbereiche: Zusätzlich zu geeigneten Bestuhlungsplänen ist in Bereichen, in denen es zu Schlangenbildungen kommen kann (z.B. Zugang zu Vortrag oder Cateringstation) durch Personal und Einrichtungen (z.B. Bodenmarkierungen, Absperrbänder) der Mindestabstand zu gewährleisten und zu kontrollieren.

Abstand in Warteschlangen auf Messen

Abstand in Warteschlangen auf Messen

Anstehen bevor es das Essen oder die Getränke gibt. Das war schon vor Corona nervig, nun wird es wohl noch länger dauern bis auch der letzte Messebesucher endlich zu seiner Verpflegung kommt. Wenn diese denn überhaupt noch verkauft bzw. ausgeschenkt wird.

👉  Sanitäranlagen: Der Zugang zu Sanitäranlagen muss durch Personal und/oder Einrichtungen (z.B. Bodenmarkierungen, Schranken- oder Ampelsysteme, Pull-Prinzipe) derart gesteuert werden, sodass der Mindestabstand von 1,5m innerhalb der Sanitäranlagen zu jederzeit gewährleistet werden kann.

Und wieder heißt es: Anstehen. Hoffentlich sind auch die Vortragspausen länger, damit alle Besucher pünktlich wieder auf ihren Stühlen sitzen. Zeit für Networking – selbst welches mit Abstand – bleibt da wohl kaum.

👉  Der Veranstaltungsort ist, sofern möglich, in Zonen (oder Räume) zu unterteilen, um eine kontrollierte Verteilung der Besucher zu erreichen. … Der Zugang zu den Zonen muss kontrolliert werden. Sitzplatzanweiser unterstützen das kontrollierte Befüllen und Entleeren von Sitzbereichen.

Networking, freies Bewegen, selbstbestimmtes Agieren – das war einmal. Von Erlebnis bleibt immer weniger übrig.

Tracking und Temperatur messen

👉  Eine Kapazitätsplanung im Vorfeld kann hierbei unterstützen (Vorabanmeldung für einzelne Vorträge) ebenso der Einsatz von u.a.: Akkreditierungs-, Zugangskontrollsysteme, anonyme Temperaturmess- und Gast-pro-Fläche-Messsysteme, Vereinzelungssysteme vor Zu- und Ausgängen oder Infosysteme bei Flächenüberlastung.

Hier ist das Tracking, welches die Befürworter realer Messen und damit die Gegner virtueller Messen, bisher oftmals scheuten wie der Teufel das Weihwasser. „Tracking? Bei uns doch nicht! Wenn der Aussteller Besucherdaten haben will, muss er ihn schon persönlich danach fragen.“ Und nun die Kehrtwende – nun ist Tracking doch eine gute Idee. Sagen wir übrigens schon länger, u.a. weil Sie als Messeveranstalter und als Aussteller sehr gut erkennen können, welche Bereiche toppen und welche floppen. Aussteller können so ihren Stand optimieren und Veranstalter könnten – wie in anderen Branchen längst üblich – ganz neue Flächenpreis-Modelle anbieten.

Außerdem: Haben Sie’s gelesen? Temperaturmessung. Ja, bevor Sie als Besucher in die Messehalle oder Eventlocation dürfen, wird erstmal Fieber gemessen. Noch ein wenig mehr Krankenhaus-Feeling, noch etwas weniger Live-Erlebnis. Übrigens: Sicher ist das mit dem Temperatur messen natürlich nicht, denn es gibt sie nach wie vor – die Medikamente, die Fieber senken.

Temperatur messen statt Live-Erlebnis auf Messen

Temperatur messen statt Live-Erlebnis auf Messen

Masken sind Pflicht

👉  Sollte in einer Situation die Gefahr drohen, dass die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, ist von allen anwesenden Personen umgehend der mitgeführte Mund-Nasen-Schutz anzulegen. …Für alle Teilnehmer ist das Mitführen des Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend.

So macht weder Networking noch Business-Anbahnung Spaß. Spätestens jetzt ist der Videocall dem vermummten Gespräch hinter zwei Masken, bei denen jegliche Mimik verloren geht, haushoch überlegen. Mal ehrlich, würden Sie so ein Verkaufsgespräch führen wollen oder auf diese Art und Weise sich von Ihrem potenziellen Anbieter beraten lassen wollen?

Business Meetings mit Masken

Business Meetings mit Masken

👉  Speisen und Getränke werden vorportioniert und verschlossen angeboten. Bei offenen Speisen sind Spuckschutzwände einzusetzen, der Mund-Nasen-Schutz anzuwenden sowie Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Ansonsten ist nur die Ausgabe versiegelter Speisen möglich. Selbstbedienung ist ausgeschlossen. Die Bestuhlung ist derart auszuführen, dass während des Essens der Mindestabstand gewährleistet ist.

Wissen Sie noch? Geschäfte werden beim Essen gemacht. So sagt(e) man. Doch auch das wird auf realen Messen und Events nicht mehr möglich sein – zumindest so lange wir mit dem Virus leben und noch keine wirksamen Gegenmittel gefunden wurden.

Abstand auch beim Essen

Abstand auch beim Essen

Wir könnten hier noch weitere Handlungsempfehlungen zitieren, doch auch schon jetzt ist klar: Die Vorschriften zur Eindämmung des Coronavirus killen das Live-Erlebnis für den Besucher.

#messedigital Die Vorschriften zur Eindämmung des Coronavirus killen das Live-Erlebnis für den Besucher. #virtuelleevents Klicken Sie um zu Tweeten

Fazit

Die meisten von uns sehnen sich nach realen Messen und Events und vermissen dabei vor allem den echten Austausch untereinander, den Handschlag, das gemeinsame Geschäftsessen und das zufällige Networking in den Pausen, in den Vortragsräumen, in der Warteschlange vorm Catering etc. Doch genau all das wird uns mit den Handlungsempfehlungen zur sicheren Durchführung von realen Veranstaltungen genommen. Genau diese Punkte machen virtuelle Veranstaltungen und digitale Zwillinge attraktiver als sie es vor Corona oder gar während des Corona-Peaks waren.

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