Die IAA braucht ein neues Konzept und einen neuen Standort. Um letzteren bewerben sich die großen deutschen Messeplätze, beispielsweise in Berlin, Köln, Stuttgart, München, Hamburg oder Hannover. Und wir sind schon sehr gespannt, welche Stadt letztendlich das Rennen machen wird. Mindestens genauso gespannt sind wir auf das neue Konzept. Bestimmt wird es die aktuellen Fragen neuer Mobilitätskonzepte integrieren müssen. Und eben nicht nur neue PkW-Modelle auf immer größeren Flächen und mit immer höheren Budgets vorstellen. Doch eine Frage, die uns besonders interessiert ist: Wird die IAA ein hybrides Event werden? Und wenn ja, wie sehr?

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Von Produktzyklen, Messekonzepten und Spiegelbildern

Messen unterliegen wie alle Produkte oder Dienstleistungen einem gewissen Produkt-Lebenszyklus. Und so wundert es kaum jemanden, dass auch Messen sich entweder permanent neu erfinden müssen oder aber eines Tages auf dem Markt nicht mehr bestehen können.

So erging es erst kürzlich der CeBit. Aber auch die IAA oder die Photokina könnten ein ähnliches Schicksal erfahren. Denn Messen sind immer das Spiegelbild ihrer Branche. Und wenn auf der größten Automesse die brennendsten Fragen unserer Zeit – u.a. die der zeitgemäßen Mobilität – nicht beantwortet werden, stimmt etwas beim Konzept nicht.

Gleiches gilt für die Photokina. Wer kauft heutzutage noch eine extra Kamera für den Urlaub oder das Hobby? Die meisten von uns zücken das Smartphone – fertig. So wundert es auch kaum jemanden, dass die großen Kameraanbieter rückläufige Umsatzzahlen einstecken müssen. Und das wirkt sich natürlich auch auf deren Branchemesse aus.

Infografik: Die Opfer des Smartphone-Booms | Statista

Mehr Emotionen und mehr Virtuelles

Doch was kann eine Messe, die wie schon erwähnt, das Spiegelbild ihrer Branche ist, tun wenn es mit der Branche bergab geht?

Wenn es darauf eine einfach Antwort gäbe, hätten es viele Veranstalter wohl bereits umgesetzt. Oder aber die Angst vor Veränderung ist einfach sehr groß. Immerhin steht auch einiges auf dem Spiel. Z. B. die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland immer größer gewordenen Messegeländen. Diese Investitionen müssen erst einmal wieder reingefahren werden, bevor irgendeiner auch nur daran denkt, sein Geschäftsmodell komplett zu digitalisieren.

Dennoch gibt es ein paar Dinge, die Veranstalter von Messen und Events unbedingt tun sollten, um auch in Zukunft noch im Marketing-Mix ihrer Aussteller relevant zu sein – und in den Terminkalendern von Besuchern.

Messen müssen permanent neue Wege suchen und finden

Messen müssen permanent neue Wege suchen und finden

Mehr Emotionen – auch auf Fachbesuchermessen

Wir sind alle „nur“ Menschen. Egal, ob wir gerade fürs Business oder privat unterwegs sind. Deshalb funktioniert im Social Media „Cat Content“ so gut und deshalb nutzen NPOs emotionale Bilder für ihre Spendenkampagnen. Und genau deshalb setzen z. B. die Veranstalter von GEDANKENtanken auf emotionale Einladungstexte und hochwertige Videoaufnahmen der Vorträge.

Doch schauen Sie sich einmal ehrlich auf einer typischen Fachmesse um. Wie emotional geht es da zu? Manchmal genügt schon ein Blick in die Werbematerialien und es wird klar: Da ist noch Potenzial.

Spätestens wenn die Besucherzahlen sinken, wird’s Zeit, den eigenen Auftritt und die eigene Messe einmal kritisch zu überprüfen.

Mehr Emotionen - spätestens beim Besucherschwund

Mehr Emotionen – spätestens beim Besucherschwund

Mut zu aktuellen Themen und radikalem Neuerfinden

Messen mit einer langen Tradition komplett neu zu erfinden, kostet Mut. Doch genau den braucht es, vor allem dann, wenn sich die Branche Messe sich gerade wandelt. Schauen wir uns einmal den digitalen Wandel in unserer Gesellschaft an, werden das jetzt und später sehr viele Branchen und damit auch sehr viele Messen sein.

Greifen Sie die neuen Themen auf. Verschließen Sie sich nicht vor kritischen Themen unserer Zeit, wie z. B. der Mobilitätsfrage oder den Fragen der Nachhaltigkeit. Und wenn Sie diese anpacken, dann authentisch. Alles andere merken Besucher und Aussteller sofort und fühlen sich dann nicht mehr Ernst genommen.

Disruption und mutig sein

Disruption erfordert mutig sein

Digitales integrieren statt ignorieren

Was wir beim Einzelhandel sehen und kritisieren, also über den Onlinehandel schimpfen, sehen wir in der Messebranche oft mit ganz anderen Augen. Dabei müss(t)en wir auch hier das Digitale integrieren statt ignorieren. Auch der Handel hat große Investitionen in Verkaufs- und Lagerflächen sowie in sein Personal gesteckt. Das interessiert den Kunden, der im Netz seine Produkte oftmals günstiger, in der richtigen Variante und bequem nach Hause geliefert bekommt, aber nicht die Spur. Da helfen auch nicht die gut gemeinten Hilfe-Aufrufe von Einzelhandelsverbänden und anderen lokalen Institutionen.

Was hilft ist der richtige Mix aus einem offline und online Angebot. Und es gibt durchaus Händler, die das mittlerweile sehr gut kombinieren. Beispielsweise mymuesli oder Wellensteyn.

Und wie sieht es mit Messen und Events aus? Aus Angst, die Besucher könnten ausbleiben, werden eben doch noch viele Inhalte ausschließlich offline angeboten. Dabei könnten Veranstalter bereits heute hybride Events anbieten.

Hybrides Event: offline und online kombinieren

Hybrides Event: offline und online kombinieren

Was ist überhaupt ein hybrides Event?

Ein hybrides Event oder auch Messe vereint die analoge und die digitale Welt. D. h. die reale Messe wird via Live-Stream ins Web übertragen. Als Besucher können Sie nach wie vor die Messe physisch als auch digital teilnehmen. Für letzteres benötigen Sie lediglich ein internetfähiges Device, also ein Smartphone, ein Tablet oder einen Laptop. Dabei ist die digitale Teilnahme vor allem sehr preiswert und zeiteffizient. Allerdings ist der reale, analoge Austausch vor Ort für die meisten von uns immer noch deutlich intensiver und „durch nichts zu ersetzen“.

Genau wegen dieser Vor- und Nachteile setzen immer mehr Veranstalter auf hybride Events und Messen. Sie übertragen ihre Events und Messe-Neuheiten mit Hilfe eins Digital Twins oder eines anderen gut gemachten Online-Auftrittes ins Netz. Und sie setzen dabei auch darauf, dass der Besucher bei der Folgeveranstaltung live dabei sein will. Eben weil die digitale Präsenz Lust darauf gemacht hat.

Hybride Events, Mobilitätsprojekte einer gesamten Stadt und mehr Glamour

Fanden bislang klassische Messen vor allem auf einem Messegelände statt, zeigen die neuen Konzeptideen rund um die IAA, dass eine Messe rund um Mobilität die ganze Stadt einbeziehen sollte. Dafür müssen die Stadt, die Region und die Messe an einem Strang ziehen und beispielsweise Flächen bzw. Wege zur Verfügung stellen. Unter anderem auch für Testfahrten autonomer Autos. So wie es Mercedes-Benz  mit dem VISION AVTR auf der Consumer Electronics Show (CES) kürzlich in Las Vegas gezeigt hat. 

Appropo Mercedes-Benz: Was machen eigentlich die vielen Automobilhersteller auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas? Statt auf der IAA oder der Motorshow in Detroit ihre neuen Modelle zu zeigen? Antwort: Sie umgeben sich (auch) gern mit den großen Tech-Giganten und nutzen den Glamour der CES.

Was wohl nicht auf ihrer Agenda stand: Dass einer ihrer potenziellen Zulieferer selbst ein autonomes Auto präsentiert – sogar mit eingebauter Technik aus Germany. Denn Sonys Vision-S hat gleich mehrere deutsche Zulieferer im Boot: Bosch, ZF, Continental und Here. 

5G für Teststrecken und Live-Streamings

Autonomes Fahren benötigt irgendeine Form von Funktechnik. Sei es LTE-V2X, 5G oder ITS-G5. Und solche Netze sollten dann auch für eine Automobilshow zur Verfügung stehen. Doch was die Mobilfunkgeschwindigkeit betrifft, ist Deutschland weltweit weit abgeschlagen. Und der Ausbau der 5G-Netze steckt noch in den Kinderschuhen. 

Und wie sieht’s mit Live-Streaming aus? Das funktioniert schon heute. Doch je schneller und leistungsfähiger das Netz ist, desto besser ist auch die Qualität der Streamings. Denn mit 5G wird die ruckelfreie Übertragung oder der Konsum von Events auch mit dem Smartphone möglich. Auch davon kann eine neue IAA nur profitieren. 

Fazit

Egal ob Endverbraucher- oder Fachmesse, seien Sie mutig. Kombinieren Sie die analoge und die digitale Welt. Prüfen Sie Ihr Konzept permanent sehr kritisch und sprechen Sie die Emotionen Ihrer Kunden an – die der Besucher und der Aussteller.

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