Ist Künstliche Intelligenz eines der vielen Buzzwörter der heutigen Zeit? Ein klares Jein. Über Künstliche Intelligenz (KI) wird viel geschrieben, referiert und diskutiert. Doch es gibt schon heute sinnvolle   Anwendungen. Einige davon sind einfach nur schwer zu erkennen. Andere funktionieren noch nicht so richtig gut.

Ein schönes Beispiel dafür sind Sprachassistenten. Für den einen sind sie ein Wunder der Technik. Für den anderen sind sie noch lange nicht intelligent. Was ist denn nun KI? Oder auch machine learning? Wie können wir diese Technologie schon heute in der Messe- und Eventbranche nutzen? Das verrät Ihnen in diesem Artikel Benjamin Lechler. Los geht’s:

Herr Lechler, was ist überhaupt KI?

Eine spannende Frage! Wahrscheinlich könnten Sie 10 Leute befragen und bekämen 11 unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Aus meiner Sicht geht es bei Künstlicher Intelligenz darum, sich mit Hilfe von Techniken und Technik an die Funktionsweise des menschlichen Gehirns anzunähern. Mit anderen Worten: Maschinen sollen lernen, urteilen und Probleme lösen. Künstliche Intelligenz bedeutet für mich

  • Wir automatisieren Vorgänge.
  • Maschinen sollen selbst entscheiden.
  • Sie sollen selbst lernen
  • und so für uns die Probleme des Alltags oder eben der Messe- und Eventbranche lösen.

Ist KI denn wirklich intelligent?

Künstliche Intelligenz ist ganz klar ein Hype-Thema. Erst kürzlich las ich in einem t3n-Artikel, dass nur 40% der KI-Start-Ups selbst auch wirklich KI nutzen. Das sagt einiges über den Hype um Künstliche Intelligenz, oder?

Zudem ist es höchst subjektiv, wann wir etwas als intelligent bezeichnen. Gegenfrage: Wann ist ein Mensch intelligent? Wenn er Autofahren kann? Wenn Sie noch keinen Führerschein haben, dann finden Sie das vielleicht beeindruckend und demzufolge intelligent. Aber fragen Sie mal die Mehrzahl der Autofahrer. Die wenigsten würden behaupten, dass die anderen Verkehrsteilnehmer intelligent sind. 😉

Wo begegnet uns heute schon KI im Alltag?

KI ist mehr als Pflegeroboter in Japan. Und sie ist sehr schwer zu erkennen. Wer von uns kann schon unterscheiden, ob ein Computer oder ein Roboter so reagiert, weil er vorher so fest programmiert wurde? Oder ob er Teile seines ‘Verhaltens’ erlernt hat?

Künstliche Intelligenz begegnet uns zum Beispiel bei der Gesichtserkennung auf dem Smartphone. Und diese Technologie wird immer besser! Facial recognition ist eine Anwendung, die die meisten von uns gut als KI nachvollziehen können.

KI Künstliche Intelligenz ermöglicht Gesichtserkennung am Smartphone

#messedigital #KI ist mehr als Pflegeroboter in Japan. Und sie ist sehr schwer zu erkennen. Klick um zu Tweeten

Wo begegnet uns denn schon heute Künstliche Intelligenz in der Messe- und Eventbranche?

Lassen Sie mich hier auf drei Beispiele aus der Praxis näher eingehen.

1) Sicherheit dank Objekterkennung auf Messen

Kürzlich war ich auf einer Messe in Shanghai. Dort gibt es Kamerasysteme, die merken, wenn ‘verlorene’ Objekte in ihrem Sichtfeld stehen. Diese erkennen zum Beispiel die herrenlosen Koffer. Und dann schlagen sie Alarm. Denn es könnte sich dabei um eine Bombe im Koffer handeln. Wenn es keine ist, umso besser! Ist der Alarm jedoch berechtigt können diese Kameras viel schneller und zuverlässiger reagieren als es menschliches Wachpersonal täte. Eine lückenlose Beobachtung der Messehallen wird so möglich. Quasi 24/7. Damit die Kamera solche Koffer immer besser erkennen kann, braucht sie einen integrierten Lernprozess. Dank Machine Learning werden unsere Messeplätze also schon heute sicherer.

Objekterkennung auf Messen dank KI

#messedigital Dank Machine Learning werden unsere Messeplätze also schon heute sicherer. Sie können z.B. 'vergessene' Koffer erkennen. #messedigitalblog #KI Klick um zu Tweeten

2) Automatisiertes Teilnehmer-Management

Schon heute gibt es Eventtech-Anbieter, die auf datengestütztes Teilnehmer-Management setzen. Wer viele Daten erhebt und diese smart auswertet, kann seine Teilnehmer deutlich effizienter und effektiver einwerben und verwalten. Denken Sie nur an personalisierte Einladungen. Ich meine damit weitaus mehr als den Vornamen in der Werbemail. Sondern echte Personalisierung. So wie Sie sie auch von amazon kennen. Mit echten Produktempfehlungen; abgestimmt auf Ihr Kaufverhalten bzw. Ihre letzten Event-Teilnahmen.

Auch hier funktioniert schon die Gesichtserkennung. Auf verschiedenen Events werden heute schon Teilnehmer per Face-ID beim Einlass kontrolliert. Schauen Sie mal bei der Firma FastLane vorbei. Und das klappt in der Praxis schon erstaunlich gut – sogar bei wirklich schlechten Lichtverhältnissen im Eingangsbereich. Hier liegt noch echtes Potenzial für eine stressfreie Customer Journey. Sie wissen schon: Gästeverdruss wegen falsch geschriebener Namen etc. Außerdem sind diese Einlass-Methoden deutlich schneller als die manuelle Registrierung durch unzählige Hostessen am Check-In. Warteschlangen adé – dank KI.

#messedigital Nutzen von KI: Schon heute gibt es Eventtech-Anbieter, die auf datengestütztes Teilnehmer-Management setzen. #messedigitalblog Klick um zu Tweeten

KI Künstliche Intelligenz beim Check-in auf Events

3) Automatisierte Werbemanager im Wegeleitsystem einer Messe

Das ist das Messe-Pendant zu den automatisierten Werbeangeboten via Google Ads. Das können Sie sich wie digitalisierte Auktionen vorstellen.

Doch fangen wir mal ganz von vorn an. Wo würden Sie für Ihre Marke oder Ihr Produkt auf einer Messe am besten werben? Sie kennen alle Display-Standorte. Sie wissen außerdem, wo Ihr Stand sein wird. Vermutlich würden Sie um ‘Ihre’ Messehalle herum und auf den stark frequentierten Gängen werben wollen. Das würde Ihnen auch der Marketing Manager einer großen Messe vorschlagen.

Doch welches sind die frequentierten Gänge? Und welche sind besser im Bezug auf Ihren konkreten Standplatz? Wie viel würden Sie dafür bezahlen wollen? Was sollte Ihnen der Marketing Manager berechnen? Wenn der nur 5 Aussteller hat, kann er das per Hand ausrechnen. Jetzt stellen Sie sich das mal für 3.000 Aussteller oder mehr vor. Nahezu unmöglich!

Und hier kommt Künstliche Intelligenz ins Spiel. Das in unserem Hause entwickelte Bidding-System sorgt dafür, dass Messe-Anbieter über die Nachfrage den Preis steuern können. Als Aussteller haben Sie so stets Ihr Budget im Griff und den besten Preis erhalten. Wie bei einer Auktion in der analogen Welt oder wie bei Google Ads in der Welt der Suchmaschine. Dieses System ist eben die Antwort auf die Messewelt. Allerdings mit deutlich weniger Streuverlusten als bei den Beispielen zuvor. Auf die Messe kommen schließlich meist hochqualifizierte Fachkräfte, die sich genau für Ihr Thema und Ihre Branche interessieren.

Wie gut funktioniert der automatisierte Werbemanager für das Wegeleitsystem schon heute?

Ziemlich gut! Das bedeutet, vor allem für die großen Messestände, die ihren Standplatz fast nie wechseln, funktioniert das System richtig gut. Kein Mitarbeiter einer Messe könnte so schnell und präzise die Werbeangebote für die vorhandenen Displays berechnen.

Ziemlich gut heisst allerdings auch: Aussteller, die ihre Daten so smart und intensiv nutzen, gehören noch zu den Pionieren. Wir haben Kunden, die schon verstanden haben, dass Daten die Währung der Zukunft sind. Und sie setzen sie auch ein – mit unglaublichen Resultaten.

Ich bin sehr gespannt, wann die Masse der Aussteller diesem Trend folgen wird.

Über den Interviewpartner:

Benjamin Lechler ist bei pave für Strategie und Beratung verantwortlich und hat für die pave GmbH Prokura. Der gelernte Dipl.-Ing. für Veranstaltungs- und Produktionstechnik ist seit 2003 bei pave und hat seinen MBA mit dem Schwerpunkt Eventmarketing und Live-Kommunikation an der TU Chemnitz absolviert. Er kennt die Wünsche der Kunden durch seine langjährige Tätigkeit in der MICE-Branche in- und auswändig. Sein Credo lautet: „Machen ist wie wollen, nur viel krasser“.

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