Die Cloud ist in aller Munde. Doch was ist diese Cloud überhaupt? Welchen Nutzen bringt und welche Gefahren birgt die Cloud gegenüber einer eigenen IT-Infrastruktur?

In diesem Blogartikel möchte ich

  • einen Einblick in die Grundbegriffe des Cloud Computing geben,
  • erläutern, welche Rolle der User hierbei spielt und
  • welche Möglichkeiten sich durch den Einsatz von Cloud Computing ergeben.

Die Basis von klassischen IT-Infrastrukturen: Compute, Storage & Network Layer

Bevor wir uns dem Begriff der Cloud nähern, schauen wir uns an, wie es in einem klassischen Rechenzentrum aussieht:

Jeder User interagiert und arbeitet mit Betriebssystemen, Anwendungen, Apps, Programmen und Webinterfaces. Kurzum: Software. Damit diese Software funktionieren kann, benötigt sie eine entsprechende Rechenleistung. Dabei wird diese Rechenleistung bei einer zentralisierten IT-Infrastruktur von einem oder mehreren Hardwareservern geliefert. In der IT-Branche spricht man hierbei vom sogenannten „Compute“-Layer.

Mit Hilfe der Anwendungen erzeugen, lesen und bearbeiten die User Daten. Dabei werden diese Daten auf Datenspeichersystemen, sprich mehrere Festplatten, abgelegt. Diese Datenspeichersysteme beschreiben das „Storage“-Layer einer IT-Infrastruktur.

Damit die Nutzer mit den Anwendungen, Servern und Datenspeichern kommunizieren können, kommen entsprechende Netzwerkgeräte, also Switche, Router, zum Einsatz. Sie verbinden alles miteinander. Wir sprechen hierbei vom „Network“-Layer.

„Compute“, „Storage“ & „Network“ bilden die hardwaretechnische Basis für IT-Anwendungen. Kurzum die IT-Infrastruktur.

Cloud-Remote-Zugriff-auf-IT

IT-Infrastruktur | © Benjamin Ulsamer

Die Cloud – Remote Zugriff auf IT-Infrastruktur & deren Anwendungen

Der Begriff Cloud ist heute viel umstritten. „Was ist eigentlich die Cloud?“ Fragen Sie das einmal 10 unterschiedliche IT-Mitarbeiter. Höchstwahrscheinlich erhalten Sie darauf 10 unterschiedliche Antworten.

Die Basis bildet für mich das folgende Statement: Eine Cloud ist die Möglichkeit, über einen Remote-Zugriff auf eine IT-Infrastruktur und deren Anwendungen zugreifen zu können.

Remote-Zugriff: z.B. Internet, gesicherte Verbindung innerhalb eines Unternehmens zu einem anderen Standort

Die ursprüngliche Definition einer Cloud wird heutzutage unter der Berücksichtigung von „Liefer-“ und „Servicemodellen“ weiter unterschieden.

Liefermodelle einer Cloud – Private, Public & Hybrid Cloud

Private Cloud:

Arbeiten die Anwender auf Datenspeichern, Servern und Anwendungen/Webinterfaces, die ausschließlich für die eigene Organisation betrieben werden, spricht man von einer Private Cloud. Ob die benötigte IT-Infrastruktur im eigenen Rechenzentrum betrieben wird oder im Rahmen eines Outsourcings in einem Rechenzentrum zur eigenen exklusiven Nutzung eines anderen Anbieters steht, spielt hierbei keine Rolle.

Public Cloud:

Bei einer Public Cloud spricht man von einem Zugriff zu IT-Infrastrukturen, die für eine breite Öffentlichkeit über das Internet zur Verfügung stehen. Häufig nutzen hierbei mehrere Organisationen bzw. Anwender die gleiche IT-Infrastruktur. Das nennt man dann „Shared Infrastructure“.

Hybrid Cloud:

Kommen eine oder mehrere unterschiedliche Private sowie Public Clouds für einen Anwender zum Einsatz, spricht man von einer Hybrid Cloud. Hybrid Clouds sind die derzeit am IT-Markt häufigste verbreitete Variante in Organisationen.

Ein einfaches Beispiel: Während die Daten der Anwender hochverfügbar auf Datenspeichern im eigenen Rechenzentrum liegen, werden die Datensicherungen/Backups gerne zu einem Public-Cloud-Anbieter oder in eine angebundene Private Cloud bei einem Drittanbieter ausgelagert.

Servicemodelle einer Cloud – On-Premise, IaaS, PaaS & SaaS

Wer sich schon einmal mit Angeboten zum Cloud Computing beschäftigt hat, stößt schnell auf den Begriff „as a Service“. Dabei geht es um die Abgrenzung, in wieweit die eigene Organisation oder der Anbieter der Cloud für gewisse Teile der IT-Infrastruktur verantwortlich ist.

Sie verstehen nur Bahnhof? Auf Basis der „Pizza-as-a-Service“-Grafik lässt sich der Begriff „as a Service“ sehr einfach erläutern:

Pizza-as-a-service

Quelle: https://www.slideshare.net/albertbarron/nab-show-2015pizzaasaservicealbertbarron

1) Made at home

Möchte eine Organisation die eigene Infrastruktur von Storage-, Server- und Network-Layer bis hin zu Betriebssystem und Anwendungen/Webinterfaces in seinem eigenen Rechenzentrum komplett selbst betreiben, spricht man von „Traditional On-Premises“.

Sprich:

  • Ich besorge mir die Zutaten für meine Pizza,
  • stelle meinen eigenen Teig her,
  • bereite sie im eigenen Ofen zu
  • und esse am eigenen Tisch („Made at home“).

In einem „Traditional On-Prem“ Konzept muss eine Organisation alle 3 bis 5 Jahre in neue Storage-, Server- und Netzwerkinfrastruktur investieren. Denn nach Ablauf dieses Zeitraums endet der Service und Support bei den entsprechenden Herstellern.

Im „Pizza-as-a-Service“ Beispiel bedeutet dies, dass mein hergestellter Pizzateig nur eine gewisse Zeit lang haltbar ist. Wenn die Haltbarkeit abgelaufen ist, muss ich mich um einen neuen Pizzateig kümmern.

2) Take & Bake

Im „Infrastructure as a Service“ Modell kümmert sich der Cloud-Anbieter um Storage-, Server- und Netzwerkinfrastruktur. Er ist für den Betrieb verantwortlich. Die Organisation ist nur noch verantwortlich für die Betriebssysteme und Anwendungen/Webinterfaces.

Sprich:

  • Ich kaufe mir eine von jemand anderem zubereitete Pizza, z.B. Fertigpizza,
  • backe sie nur noch im Ofen
  • und esse am eigenen Tisch („Take and bake“).

3) Pizza Delivered

Aber warum noch den eigenen Ofen verwenden? Der Pizzahersteller/-bäcker könnte die Pizza auch noch in seinem Ofen backen und liefern („Pizza Delivered“). Der Cloud-Anbieter verantwortet in diesem Fall sowohl den Betrieb von Storage, Servern und Netzwerk, sowie zusätzlich den Betrieb der Betriebssysteme (z.B. Updates) und eventueller Basisapplikationen und –umgebung (z.B. ein Datenbanksystem): „Platform as a Service“. Die Organisation kann sich in diesem Modell dann voll auf die Applikationen/Webinterfaces für die Anwender fokussieren.

Im Pizza-Beispiel bedeutet dies, dass ich mich nur noch um den eigenen Tisch und das Getränk zur Pizza kümmere.

4) Dined out

Last but not least: „Jemand Anderes kann das alles besser, ich konsumiere nur noch.“ („Dined out“)

Ich gehe Pizza essen und die komplette Verantwortung liegt beim Cloudanbieter. 😉

Ein simples Beispiel ist der Konsum von Apps auf einem Smartphone oder Browseranwendungen. Hier sprechen wir von „Software as a Service“.

Pizza-as-a-service

Pizza-as-a-service

Quelle: https://www.slideshare.net/albertbarron/nab-show-2015pizzaasaservicealbertbarron

Service Level Agreements – Technische und organisatorische Vertragsinhalte

Durch die Vielzahl und Vielfalt an User-Anforderungen an die heutige IT-Infrastruktur, Anwendungen und Webinterfaces müssen Sie heute je Anforderung individuell entscheiden, welches Liefer- bzw. Servicemodell passt. Eine App bzw. ein Webinterface muss grundlegend funktionieren. Über „Service Level Agreements“ (SLAs) mit dem Cloud-Anbieter können die technischen und organisatorischen Mindestanforderungen an einen Cloud-Dienst definiert und verglichen werden. z.B.:

  • Die IT-Systeme/Anwendung muss 7×24 zur Verfügung stehen.
  • Sollte es Störungen der Prio 1 geben, muss innerhalb von 1 Stunde mit der Fehlerlösung begonnen werden.
  • Die Systeme/Anwendung muss ausreichend Performance liefern
  • Daten werden 2x am Tag an einen weiteren Standort gesichert und können in maximal 2 Stunden wiederhergestellt werden

Aber reichen SLAs heutzutage aus? Meine Antwort: Nein!

Der User im Mittelpunkt – Xperience Level Agreements

Warum gibt es IT? Warum benötigen und kümmern wir uns um diese Anwendung? Damit der User glücklich ist!

Heutzutage ist es wichtig, den User in den Mittelpunkt des Geschehens zu setzen. Der Anwender möchte nicht nur ein funktionierendes IT-System bzw. eine funktionierende Anwendung.

Der User möchte eine möglichst einfache, intuitive Bedienung, um so effizient wie möglich das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Er möchte erleben.

  • Warum ein PDF-Formular ausfüllen, wenn es Spracherkennung und intelligente Chatbots gibt?
  • Warum in der Organisation zehn Klicks zum Ziel in der eigenen IT-Anwendung „verschwenden“? Wenn der User privat eine Cloud-App nutzen kann, mit der die gleiche Aufgabenstellung mit zwei passenden Fingerbewegungen erledigt ist? Herzlich Willkommen „Schatten-IT“.

Die Welt befindet sich im Wandel. User wissen immer besser, was sie sich von der IT wünschen. Viele neue Softwarelösungen drängen auf den Markt. AR & VR-Technologien revolutionieren die Interaktion mit Technik. KI automatisiert und optimiert vorhandene Prozesse. Ausgehend von den mit den Usern abgestimmten „Xperience Level Agreements“ (XLA’s) ergeben sich in der Regel automatisch zukunftssichere, passende Liefer- und Servicemodelle der Cloud, sowie die entsprechenden SLA’s für die geforderte Anforderung.

Die Cloud – Wie entscheide ich mich richtig?

Private, Public oder Hybrid Cloud? On-Prem, IaaS, PaaS oder Saas? Was ist denn jetzt das richtige für meine User-Anforderung? „It depends!“

Spricht man mit Usern, erlebt man das „Wunschkonzert“. Dann kommen die Datenschützer, Security Beauftragte und die Finanzierung ins Spiel und es folgt in der Regel das „Streichkonzert“.

Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen

  • Usability & Security;
  • zwischen Eigenverantwortung und externer Unterstützung;
  • Standardisierung und individueller Lösung;
  • Low-Budget- und Leuchtturm-Projekt.

Die Lösungsmöglichkeiten sind mittlerweile unbegrenzt. Die folgende, von mir erstellte, „Schieberegler“-Skizze soll Sie bei der Entscheidungsfindung unterstützen:

Entscheidungshilfe Private, Public oder Hybrid Cloud?

Entscheidungshilfe Private, Public oder Hybrid Cloud? | © Benjamin Ulsamer

Leistungserbringer/Verantwortung:

Haben Sie genügend qualifiziertes Personal und Wissen in Ihrer Organisation? Und möchten Sie sich selbst um diese Anforderung kümmern? Ist die Antwort ja, finden Sie sich auf der linken Seite der Skala wieder. Doch wollen Sie die Verantwortung für eine gewisse Aufgabe („Outtasking“) oder die komplette Leistungserbringung bzw. Verantwortung für eine Anforderung abgeben („Managed Service“)? Dann finden Sie sich ganz rechts auf der Skala wieder.

Location:

Sollen Daten, Rechenpower und Applikationen im eigenen, vorhandenen Rechenzentrum betrieben werden, dann ist eine Private Cloud (On-Prem) sinnvoll. Fragen Sie sich also: Können Sie einen Teil der Anforderung auslagern? Zum Beispiel auf eine eigene oder eine gesharte Infrastruktur? Oder bieten die Hyperscaler des Public Cloud Marktes, also beispielsweise Microsoft Azure, Amazon Web Services AWS, bereits ein standardisiertes Angebot für Ihre Anforderung?

Finanzierung:

Stellen Sie sich in diesem Zusammenhang u.a. folgende Fragen: Müssen Sie alle 3 bis 5 Jahre neue Hardware anschaffen? Ist es sinnvoll Teile der Anforderung zu leasen? Und gibt es Cloud-Angebote mit einem Festpreis, einem Abo oder einem pauschalen Angebot für eine Laufzeit? Oder gibt es Teile Ihrer Anforderung, die Sie mit Hilfe eines Cloud Angebotes nur bei wirklichem Bedarf bzw. Verbrauch finanzieren könnten?

lohnt sich die Cloud für Ihre IT?

lohnt sich die Cloud für Ihre IT?

Fazit: Die Cloud – bin ich da schon drin oder was?

Egal ob Organisation oder Privatperson. Jeder der mit IT arbeitet, landet früher oder später in einer Cloud. Seit dem Einzug von Social Media, Smartphone Apps, Cloud-Daten-Backupfunktionen (z.B. Apple iCloud), sowie Streamingdiensten wie z.B. Netflix oder Spotify ist die Cloud im privaten Umfeld allgegenwärtig. Leider wird im Business-Context sehr häufig noch alles auf die IT im eigenen Rechenzentrum gesetzt. Jedoch sprengen neue Technologie-Services wie AR/VR, KI/Machine Learning oder BigData die Leistungsfähigkeiten lokaler Rechenzentren. Und der Cloud-Anteil in Organisationen wächst. Auf der anderen Seite sind die heutigen Public Cloud Angebote (noch) nicht die Lösung aller IT-Herausforderungen bzw. User-Anforderungen. Deshalb liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte – „Hybrid Cloud“.

Das passende Grundverständnis und Werkzeug für die nächste Anforderungs-Entscheidung haben Sie nun. Ich wünsche viel Spaß beim Anwenden des gewonnenen Wissens!

Über den Autor:

Benjamin Ulsamer

Benjamin Ulsamer ist seit mehr als 15 Jahren in der IT-Branche beschäftigt. Ausgebildeter Certified IT Business Manger, Führungskraft, Ausbilder von Fachinformatikern, selbständiger Social Media Berater, Clown & Wellness- und Massagetherapeut. Trainer. Speaker. Visionär. Macher. Mentor. Mensch. Hasst Bullshit-Bingo. Ist Freund offener, ehrlicher & direkter Worte.

Sein Lieblingsfeature: „Gesunder Menschenverstand. Hat jeder. Steht jedem 24/7 zur Verfügung. Kostenfrei. Einfach benutzen. ;)“

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